Archiv für den Monat: Januar 2018

Bye, bye LightSwitch – ein paar Alternativen (to be continued)

LightSwitch war eine gute Idee, die leider nicht gut genug umgesetzt wurde und am Ende aus mehreren Gründen scheiterte. An der Nachfrage kann es nicht gelegen haben. Im Gegenteil. Wenn ein Entwicklerwerkzeug von Microsoft kommt, besitzt es automatisch einen höheren Stellenwert als wenn der Hersteller eine unbekannte Softwarefirma ist. Es wird automatisch darüber auf allen Kanälen berichtet, Buchverlage kündigen Bücher an bevor das Produkt offiziell erhältlich ist, es gibt Schulungen, es gibt die ersten MPVs, es ist ein Thema auf Konferenzen – kurz, es gibt jede Menge kostenloser Werbung.

Eine Erfolgsgarantie geht damit aber nicht automatisch einher (wer erinnert sich noch an Quick Pascal, mit Microsoft Ende der 80er Jahre für eine kurze Zeit versuchte Turbo Pascal ein wenig Konkurrenz zu machen).

LightSwitch war bis VS 2015 noch ein offizieller Bestandteil von Visual Studio. Sogar als Teil der Community Edition. Beim aktuellen VS 2017 ist es leider nicht mehr dabei.

Kurzer Exkurs: Das Attribut „tot“ besitzt in der Softwarebranche bekanntlich eine eigene Bedeutung. Ich habe des Öfteren die Erfahrung gemacht, dass „tot“ gesagte Produkte eine eigene Dynamik entwickeln (der Brotkasten C64 ist das beste Beispiel. Erst nachdem die Produktion offiziell eingestellt wurde, ging es erst richtig los in der Zubehörszene).

LightSwitch kann also nach wie vor für die Entwicklung von Anwendung verwendet werden, man benötigt aber VS 2015. Wie es mit der kostenlosen Community Editon funktioniert beschreibt (Ex-) LightSwitch-Guru Michael Washington auf seiner Webseite:

http://lightswitchhelpwebsite.com/Blog/tabid/61/EntryId/3286/How-To-Get-Visual-Studio-LightSwitch-For-Free.aspx

Ein Heise-News-Beitrag von Alexander Neumann beschreibt zwar, dass Microsoft die Entwicklung von LightSwitch eingestellt hat, ich konnte aber bei Microsoft selber nichts finden:

https://www.heise.de/developer/meldung/Microsoft-beerdigt-Visual-Studio-LightSwitch-3354139.html

Schade, denn LightSwitch hatte Potential. Gerade für Entwickler. Ich habe sogar zwei (?) Schulungen zu LightSwitch durchgeführt und ein kleines Programmierprojekt umgesetzt. Bei diesem Projekt wurden mir aber auch die Grenzen des Tools deutlich vor Augen geführt oder es lag an mir, dass ich mir einiges vielleicht zu einfach vorgestellt hatte (auch wenn es vielleicht so aussah als müssen man sich nur durch einen Assistenten hindurchklicken, die Umsetzung von m:n-Beziehungen sollte man in einer GUI abbilden können).

Da der Bedarf nach einem RAD-Tool unter Windows immer noch groß sein dürfte, werde ich in diesem Blog-Eintrag verschiedene Alternativen vorstellen, auf die ich oft nur durch Zufall stoße, da sie von kleinen Firmen stammen, die man leicht übersehen kann. Der Blog-Eintrag wird über die kommenden Monate immer mal wieder aktualisiert.

Gleich vorweg: Den 1:1 Ersatz für LightSwitch gibt es nicht. Das ist aber auch nicht weiter tragisch, da der von LightSwitch am Anfang verfolge Ansatz ohne eine Zeile Code zu einer fertigen Anwendung zu kommen ohnehin nur für einen kleinen Teil der LightSwitch-Anwender attraktiv war.

Keine der Alternativen ist kostenlos was ebenfalls positiv ist. Kostenlose Community Editions anzubieten, in der alle Features enthalten sind, kann sich nur ein Konzern mit einem üppig gefüllten Bankkonto leisten.

Xojo


Umfangreiches RAD-Tool mit einer an Visual Basic angelehnten Programmiersprache. Das Tool startete eins unter dem Namen RealBasic und wurde im Laufe seiner Geschichte ein paar Mal umbenannt.

https://www.xojo.com/

RadZen


Interessantes Werkzeug, das auf dem JavaScript-Framework Angular basiert. Auch Michael Washington (der erwähnte LightSwitch-Experte) ist von dem Tool sehr angetan, so dass ich es mir in naher Zukunft einmal anschauen werde:

https://www.radzen.com

Bedroht die Cloud den klassischen Admin oder wie werde ich Cloud-Admin?

Auf Heise News war Anfang Januar 2018 ein interessanter Kommentar zu lesen, in dem ein erfahrener Systemadministrator, der für ein großes Unternehmen arbeitet, eindringlich vor den Gefahren der Cloud und ihrer Folgen für seinen Arbeitsplatz und dem vieler Kollegen (klar) warnte:

https://www.heise.de/ix/meldung/Kommentar-Keine-Zukunft-mit-der-Cloud-3822841.html

Interessant waren wie immer die Kommentare der Leser, insgesamt 459 was für einen Artikel, bei dem es einmal nicht um Microsoft, Windows 10 oder die Telekom ging, relativ viel ist.

Ich halte aus meiner langjährigen Erfahrung als freiberuflicher Dozent für PowerShell, Windows 10 und Entwicklerthemen und als Beobachter und Anwender von Azure und AWS (bei beiden Plattformen seitdem es sie gibt) die in dem Kommentar suggerierte Entwicklung für übertrieben. Ein Grund ist, dass es, Wie es auch in mehreren Kommentaren festgestellt wurde, den „Admin“ nicht gibt.

Um eine Antwort auf die Frage zu erhalten, inwieweit die Verlagerung von IT-Dienstleistungen in die Cloud den Beruf des Admins bedroht und ihm seinen Arbeitsplatz wegnimmt (vergleichbar mit dem Offset-Drucker, der durch das Aufkommen von PCs und DTP Anfang der 80er Jahre nach und nach überflüssig wurde), muss das Berufsbild des Admins nach Tätigkeiten differenziert werden. Dann wird deutlich, dass es den klassischen Admin, der sich um jeden Server einzeln kümmert, schon länger nicht mehr gibt bzw. dass dieses Berufsbild ein Auslaufmodell ist.

Die Cloud wird in den nächsten Jahren viele Dienstleistungen theoretisch überflüssig machen, es werden aber neue Dienstleistungen und damit auch neue Berufsbilder für Admins entstehen. Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft umzulernen und vertraute Modelle und Vorgehensweisen aufzugeben. Mit Umlernen meine ich weniger, die Bedienung des Azure-Portals zu erlernen (das lohnt sich nur bedingt). Mit Umlernen meine ich neue Methodiken zu erlenen. Zum Beispiel jene, die bereits seit vielen Jahren unter dem Schlagwort DevOps zusammengefasst werden.

Weiterbildung ist immer eine gute Idee. Wer sich zum „Cloud Admin“ ausbilden lassen möchte, findet z.B. im Edx-Portal einen passenden Kurs, der von Microsoft angeboten wird:

https://courses.edx.org/courses/course-v1:Microsoft+AZURE215x+4T2017/course/

Die Inhalte des Kurses gehen zwar nicht allzu tief, aber man bekommt einmal einen Überblick über ein neues Tätigkeitsfeld und der Kurs ist kostenlos.