Archiv für den Monat: Januar 2021

2021

Ich wünsche allen Lesern meine Blogs alles Gute für 2021, Gesundheit, Zufriedenheit und viel Freude mit den kleinen Dingen, die das Leben lebenswert machen.

Wenn Sie diesen Blog lesen, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr oder weniger mit dem Thema Software-Entwicklung beschäftigt und haben im Laufe Ihres Lebens bereits einige berufliche Krisen er- oder gar durchlebt. Auch diese Krise wird vorbeigehen. Auch wenn eine weltweite Pandademie, die bereits viele Menschenleben gefordert hat und noch fordern wird und viele Existenzen gefährdet hat und noch gefährenden wird, eine andere Erschütterung ist als eine Bankenkrise oder die Nachwirkung des Terroranschlags vom 11. September 2001, der die Welt ebenfalls stark und nachhaltig erschütterte, bin ich überzeugt, dass xdanach vieles besser sein wird als es vorher war (auch wenn das für viele im Moment noch schwer vorstellbar sein dürfte und dies kein pauschaler Zweckoptimismus sein soll).

Aber wir Software-Entwickler waren immer schon etwas priveligierter, in dem wir mehr Freiheiten besaßen als in vielen anderen Branchen (natürlich hat alles auch einen hohen Preis gekostet, alleine, wenn man die vielen Wochenenden aufaddiert, an denen es um irgendein Projekt ging, während viele andere einfach frei hatten) es immer wieder weiterging und auch 2021 kein Ende der Innovationsspirale abzusehen sein wird.

Es gibt im Software-Bereich viele faszinierende Entwicklungen und solide Werkzeuge. Alleine der Umstand, dass sämtliche Werkzeuge (Visual Studio, SQL Server, Elcipse, C#, Java usw) kostenlos sind, macht nach wie vor deutlich, wie einfach es heute für Software-Entwickler ist, ihren Beruf auszuüben.

Auch Microsoft, das ich ja gerne wegen dies und jenem kritisiere, trägt seinen Teil dazu dabei. Zum Beispiel, weil es uns mit Visual Studio 2019 Community ein hervorragendes Werkzeug und mit GitHub eine Plattform für die Bereitstellung von Anwendungen kostenlos zur Verfügung gestellt wird, aber auch, weil der Konzern inzwischen ganz selbstverständlich mit den großen Open Source-Plattformen wie RedHat, Zuse oder Canonical (Ubuntu) zusammenarbeitet, so dass es für Entwickler immer seltener eine Entscheidung für das eine und gegen das andere bedeutet.

Eine Feststellung, die Microsoft-Mitgründer Bill Gates bereits in den 90er Jahren bei vielen Gelegenheiten am Ende von Produktvorstellungen und Keynotes zum Besten gegeben hatte, war „This is an exciting time for being a software developer“. Das gilt mit Sicherheit auch für 2021.

Buntes Feuerwerk über einem See (Foto von Nicolas Tissot auf Unsplash)

Buchtipp: Die Unix-Story

Für Weihnachten 2020 kommt dieser Tipp leider zu spät, aber es wird auch 2021 wieder ein Weihnachten geben und das Thema, um das es in dem Buch geht, ist zeitlos.

Das Buch heißt „Die Unix Story“. Es erschien im Oktober letzten Jahres im d.punkt-Verlag, der Autor ist kein geringer als Brian W. Kernighan (genau der Kernighan – der Co-Autor des K&R. Das Buch also, durch das Millionen von Entwicklern auf der ganzen Welt in den letzten 40 Jahren die Programmierung C gelernt oder es zumindestens versucht hatten. Anlass der Herausgabe des Buches war das 50 jährige Jubiläum der Geburststunde von Unix in den Bell Labs in Murray Hill, einem Ort im Norden des US-Bundesstaats New Jersey (bis zur Atlatikkünste mit ihren langen Sandstränden und zu bekannten Orten wie Asbury Park sind es aber noch ein paar Meilen, genauer ca. 50).

Das Buch erzählt auf „nur“ 254 Seiten die Geschichte von Unix aus der Sicht des Autors, der zwar nicht der Erfinder von Unix war, aber als Programmierer durch die Entwicklung von Programmen wie Awk wesentlich zur Nutzbarkeit beigetragen hatte. Das „K“ in AWK steht für „Kernighan“. Er ist damit vielleicht etwas bekannter geworden als es seinem Beitrag angewesen gewesen wäre. Auch durch „sein“ C-Buch dürfte er für viele als einer der Väter von C gelten – was er natürlich nicht ist (er weist auch in seinem Unix-Buch explizit darauf hin, dass er in keinster Weise an der Entwicklung von C beteiligt war).

Das Buch beginnt bei den Anfängen und geht die einzelnen Versionen bis zur offenbar immer noch aktuellen Version 7 durch, die aus dem Jahr 1979 stammt.

Das Buch enthält viele Details, die nur indirekt etwas mit dem Betriebssystem selber zu tun haben. Man erfährt einiges über die einzigartige Firmenkultur bei den Bell Labs, die sich durch flache Hierarchien und eine große Freiheit für die einzelnen Mitarbeiter auszeichnete (ein Grund dafür, dass damals so viele Bücher entstanden sind war, dass die Autoren sie in ihrer Arbeitszeit schreiben konnte und dafür keine Wochenenden opfern mussten). Für die damalige Zeit, also die 60er Jahre, und die tradionell eher konservative Ostküste der USA alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Oft geht es etwas zu sehr ins Detail und es werden Namen genannt, die man schnell wieder vergessen dürfte. Bemerkenswert ist auch, dass in dem ganzen Buch mit Lorinda Cherry genau eine Frau erwähnt wird. Eine der am meistens genannten Personen ist Doug Mc Ilroy, einem offenbar genialen Informatiker (er hat unter anderem die Pipe erfunden), der auch in der Fachöffentlichkeit relativ unbekannt sein dürfte.

Das Buch liest sich insgesamt gut, teilweise ist es sogar richtig spannend. Man muss weder Linux-Fan sein (wer ist das heute nicht;) noch beruflich mit Unix in irgendeiner seiner zahlreichen Spielarten zu tun gehabt haben, um sich für das Buch begeistern zu können, da es einen wichtigen Teil der modernen „IT-Geschichte“ sehr ausführlich schildert.

Ein kleiner Kritikpunkt sind die etwas lieblos einmontierten Bilder (vermutlich standen aus lizenzrechtlichen Gründen lediglich die Pass- oder Bewerbungsfotos der im Buch erwähnten Personen zur Verfügung) und der dann doch etwas nüchterne Schreibstil des Autors. Aber das dürfte für alle Leser*Innen des K&R nichts Neues sein.

https://dpunkt.de/produkt/die-unix-story/