Archiv für den Monat: Mai 2021

PowerShell versus Python – es kommt auf die Community an

Im Mai habe ich sowohl an der PowerShell DevOps-Konferenz und an der PyCon 2021 teilgenommen. Beide fanden natürlich online statt und die Teilnahmegebühr war deutlich niedriger als es bei einer „In-Person-Konferenz“ der Fall gewesen wäre. Die Teilnahme am PowerShell DevOps Summit kostet 300 USD, die Teilnahme an der PyCon kostete zwischen 50 und 150 USD (je nach „Status“, also Student, Einzelperson und Firma), die Teilnahme an den zahlreich angebotenen Tutorials kostete noch einmal 50 USD.

Sowohl bei der PowerShell- als auch bei der PyCon-Konferenz gab es daher viele Teilnehmer*Innen, die zum ersten Mal dabei waren und im Chatfenster darauf hinwiesen, dass sie ohne Corona so schnell nicht an einer solchen Konferenz hätten teilnehmen können.

Ich möchte im Folgenden nicht beide Konferenzen gegenüberstellen, sondern lediglich stichwortartig auf ein paar Punkte hinweisen, die mir aufgefallen sind. Bereits vorweg, die Teilnahme hat sich in beiden Fällen definitiv gelohnt und es hat zudem auch Spaß gemacht, auch wenn die komplette Konferenz im Browser stattfand. Auf der PowerShell-Konferenz war die Stimmung (wie immer) gut und sogar etwas euphorisch (bezogen auf die Kommentare im Chat-Fenster), auf der PyCon ging es etwas „seriöser“ zu, was aber für mich in erster Linie ein Generationsthema ist. Gefühlt sind die Teilnehmer*Innen auf der PyCon etwas jünger. Alle daraus gezogenen Rückschlüsse sind natürlich rein subjektiv;)

Die PyCon ist eine richtig große Konferenz. Nicht nur, was die Länge angeht (früher hatte ich mich oft gefragt, wie eine Konferenz über 9 Tage gehen kann, wenn in ersten Tagen aber lediglich Workshops zu teilweise recht speziellen Themen stattfinden und die eigentliche Hauptkonferenz nur 3 Tage umfasst, rückt das die Größenordnung wieder etwas zurecht), sondern auch die Anzahl der Teilnehmer. Auf dem PowerShell Summit waren es geschätzt ca. 300 Teilnehmer (überwiegend männlich;), auf der PyCon waren offiziell 2-636 Teilnehmer*Innen virtuell anwesend, es gab eine beindruckene Zahl von über 100 Speakern, die über 100 Sessions durchgeführt haben. Die Anzahl der Besucher wurde am Ende mit ca. 23.000 angeben. Die Anzahl der Besucher in den 49 (!) virtuellen Austellungsboxen sogar mit ca. 24.000. Klingt nach viel und ist es wahrscheinlich auch.

Während bei PowerShell die Community aus meiner Sicht etwas stagniert (PowerShell-MVP Mark Kraus hatte vor einiger Zeit seinen Frust über den Umstand, dass im PowerShell Commitee, welches das Open Source-Projekt steuert, nur Mitarbeiter von Microsoft vertreten sind, in einem 12 teiligen Twitter-Serie zum Ausdruck gebracht, und dabei auch ein wenig Microsoft dafür kritisiert, dass sie das Potential der PowerShell nicht wirklich einsetzen zu wenig für die Community tun (was ich auch bestätigen kann):

https://twitter.com/markekraus/status/1390695893188288514

Offenbar als Reaktion auf die „Misstände“, die per Twitter beklagt, haben er und ein paar Mitstreiter das P#-Projekt ins Leben gerufen (zum Glück war der Buchstabe noch frei;):

https://github.com/markekraus/psharp

Es würde vom Thema zu stark abweichen, darauf einzugehen, zumal das ganze Projekt zur Zeit (Stand: Mai 2021) nur aus einer Absichtserklärung besteht. Im Gunde geht es um eine alternative PowerShell, die nicht unter der (ausschließlichen) Kontrolle von Microsoft entwickelt wird.

Die Themenliste zur PyCon 2021 gibt es hier:

https://us.pycon.org/2021/schedule/tutorials/

Zum Abschluss noch zwei „Live-Aufnahmen“ von den Konferenzen. Da ich alle Protagonisten auch schon live erlebt hatte (Jeffrey und Joey waren schon mindestens einmal bei der PowerShell-Konferenz in Hannover dabei gewesen, Mariatta war bei der PyCon 2019 in Berlin zu Gast), war die Begegnung im Browser dann doch etwas persönlicher.

Abbildung 1: Powershell-Erfinder Jeffrey Snover und PowerShell-Projektleiter Joey Aiello beim State of the-Talk 2021
Abbildung 2: Python Code-Maintainerin Mariatta beim restructuredText-Workshop mit Teilnehmern