Mein Besuch beim „Microsoft Cloud Summit 2017“

Vom 9. bis 10. Februar 2017 fand in Frankfurt am Main der Microsoft Cloud Summit 2017 statt. Anders als im letzten Jahr allerdings nicht in der schönen Frankfurter Messe mit ihrer großzügigen und weitläufigen Architektur, angeschmiegt an die Festhalle (in der ich in den letzten 35 Jahren zahlreiche Konzerte erlebt habe [1]), sondern in dem Kongresszentrum des Sheraton Airport-Hotels an Flughafen. Gut zu erreichen (vom ICE-Gleis bis zum Konferenzcenter sind es nur ein paar Minuten), aber leider mit einer etwas verwirrenden Topologie, viel zu engen Räumen mit nur einer einzigen (!) Tür und dem konsequenten Weglassen von Beschriftungen. Aber man kann sich ja durchfragen, um irgendwo hinzu gelangen. Frankfurt a.M. war auch nur ein Stopp von vielen auf einer ausgedehnten Welttournee. Der Eintritt war kostenlos.

Die Themen der Konferenz waren Office 365 in allen Variationen, verschiedene Azure-Angebote (u.a. Cloud Backup mit einem „Schutz“ vor Ransomware, die darin besteht, dass ein mutwillig gelöschtes Backup noch 14 Tage lang wiederhergestellt werden kann – bei Amazon Cloud Drive gibt es das natürlich auch) und Entwicklerthemen. Allerdings durchweg auf 100er-Niveau. Wer auf dem Technical Summit in Damrstadt im Dezember letzten Jahres war und/oder die Entwicklung bei den Microsoft-Themen ein wenig verfolgt hat, wird auf dieser Veranstaltung nicht allzu viel Neues erfahren haben. Die „Hallo, Cloud Summit“-Demo, die aus welchen Gründen auch immer, unbedingt in einem Docker-Container ausgeführt werden muss, gehört einfach dazu.

Interessant war der Vortrag zu .NET Core – anders als beim großen .NET Framework, das nicht mehr weiterentwickelt wird, gibt es hier eine Roadmap. Demnach ist die Version 2.0 für die zweite Hälfte 2017 geplant . Passend dazu gibt es die Standard Library. Eine Klassenbibliothek, die das Attribut portabel verdient, denn sie kann sowohl unter .NET Core als auch unter dem .NET Framework verwendet werden.

Das Beste an solchen Vorträgen sind immer die Fragen und die Antworten des Microsoft-Sprechers. Sie sind auch eine kleine Belohnung dafür, es bis zum Ende ausgehalten zu haben. Die erste von beiden Fragen hatte etwas mit dem Umstand zu tun, dass .NET Core für Linux bislang in erster Linie nur für Ubuntu angeboten wird, nicht aber für andere Linux-Distributionen – vor allem Debian. Die Antwort in Kurzform: Wir arbeiten dran, wir sprechen mit dem Maintainer und versuchen nett zu sein, wir sind zwar Microsoft, können aber niemand zwingen .NET Core in eine Distribution aufzunehmen. Irgendjemand im Saal, er unbedingt .NET Core unter Debian ausführen muss? Kann ich mir im Moment nicht vorstellen, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Nett sind immer jene Momente, in denen der Sprecher solche Fragen ans Publikum richtet und die Anzahl der Handzeichen < 3 ist. Aber wir Deutschen sind bekanntlich etwas zurückhaltender (vermutlich aus Datenschutzgründen;) und ich saß im Saal ganz vorne links und konnte daher den Saal nur eingeschränkt überblicken. Aber es dürften nur sehr wenige Entwickler geben, die sich für ein .NET Core unter Debian interessieren. Die zweite Frage war interessanter, vor allem die Antwort. Frage: Gibt es irgendwelche Pläne für ein GUI-Paket für .NET Core? Antwort: Eine sehr gute Frage, das hören wir öfter, aber nein, es gibt aktuell keine solchen Pläne. Das einzige Projekt von dem ich (der Sprecher) etwas weiß ist Electron (ein JavaScript-Framework für Desktop-Anwendungen). Mit anderen Worten: Dass es einmal so etwas wie WinForms oder WPF für .NET Core geben wird ist im Moment ähnlich unwahrscheinlich wie Warum? Ganz einfach weil es Microsoft nicht interessiert, sie darin keine Notwendigkeit, keinen strategischen Nutzen sehen. Docker für irgendwelche JavaScript-Anwendungen ja, richtige Anwendungen mit einer GUI leider nein. Liebe Desktop-Entwickler: Ihr wart einmal gern gesehene Kunden, aber das war noch das alte Microsoft. Sorry, aber seht es endlich ein. Desktop-Anwendungen interessieren uns nicht mehr, mobile Anwendungen und Web-Anwendungen interessieren vor allem solange sie Azure verwenden.

Die Zukuft der Anwendungsentwicklung unter Windows beschränkt sich für Microsoft zur Zeit offenbar auf die „Universal Windows Platform“ (UWP), bei der die Benutzeroberfläche in XAML definiert wird. Als Programmiersprache kommen neben C# auch VB, C++ und JavaScript in Frage. Richtige Anwendungen entstehen dabei nicht, sondern lediglich Apps mit begrenzten Möglichkeiten. Man kann solche Apps auch gleich für Android oder iOs schreiben und Microsoft sorgt dafür, dass sie auch unter Windows 10 läuft.

Mit Visual Studio, das in Gestalt der Community Edition inzwischen ja kostenlos ist, erhält man zwar sehr viele Optionen. Was die Entwicklung klassischer Desktop-Anwendungen angeht ist die Unterstützung durch Microsoft aber praktisch eingestellt worden.

Ein paar interessante Links:

>https://blogs.msdn.microsoft.com/dotnet/2016/09/26/introducing-net-standard/
>https://github.com/dotnet/core/blob/master/roadmap.md

[1] falls es jemanden interessieren sollte oder jemand tatsächlich noch bis hier gelesen hat: Die Festhalle ist für mich nach wie vor die schönste Konzerthalle in Deutschland, auch wenn die Akustik nicht ganz so überragend ist und der letzte Konzertbesuch schon wieder ein paar Jahre zurückliegt. Ich habe hier u.a. Hall and Oates, die Stones (1982), Jethro Tull, Neil Young, Eric Clapton, einige Male Peter Gabriel und natürlich den Boss (leider nicht bei seiner ersten Deutschland-Tournee 1981) live erlebt. Alles Besondere Konzerte verbunden mit schönen Erinnerungen.

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