Wie kundenfreundlich ist Microsoft – Visual Studio 2017 auf die harte Tour installieren

Kundefreundlichkeit bzw. Kundennähe sollte für große Konzerne eigentlich selbstverständlich sein. Auch bei Microsoft hört man allzu oft ein „We love our customers“ oder „We listen to our customers“. „Customer first“ oder „Developer first“ heißt die Devise sicher nicht, sondern eher „Cloud first“ und wer nicht mitzieht, den lassen wir früher oder später im Regen stehen.

Bei Visual Studio habe ich den Verdacht, dass es wohl etwas früher passieren wird. Kurze Release-Zyklen, Updates mit Fehlern (etwa ein ATL-Assistent, der einfach nicht startet oder gleich nach dem Start abstürzt) und vor allem eine gigantische Installation, da von C++ für Linux, Spielentwicklung für Unity, Android rauf und runter und jede Menge anderer Projekttypen, die 90% aller Entwickler niemals benötigen wird.

Das Ergebnis ist, dass der Installationsumfang von Visual Studio 2017 inzwischen auf gigantische 50 GB anstiegen sind. Da die IDE normalerweise über einen Webinstalliert installiert, der einem suggeriert man hätte einen echten Einfluss auf den tatsächlichen Umfang der Installation (unter 20 GB scheint es nicht zug ehen), fällt dieser Umstand bei einer schnellen Internet-Verbindung im Allgemeinen nicht auf.

Als ich vor ein paar Tagen Visual Studio 2017 in einer VM installieren wollte, da mir das Einrichten des Remote Debuggers zu umständlich war, da die zu debuggende Anwendung durch eine andere Anwendung zuerst gestartet wird und ich den Debugger an diesen Prozess hätte anhängen müssen, kam ich schnell dahinter, dass es eine ISO für VS 2017 nicht mehr gibt. Die offizielle Begründung klingt auch pausibel: Der Installationsumfang wäre einfach zu groß. Eine 50 GB große ISO will man nicht zum Download zur Verfügung stellen.

Auf die Idee, den Installationsumfang zu verkleinern oder ein „Visual Studio Core“ anzubieten, das wirklich nur die erforderlichen Komponenten für die gute, alte Entwicklung von Desktop-Anwendungen in C# enthält, kam man offenbar nicht. Das wäre vermutlich zu viel Kundennähe.

So bleiben nur zwei Optionen:

>Den offziell empfohlenen Weg über den Download aller Dateien in ein Verzeichnis

>Die Verwendung von VS 2015, das nach wie vor als ISO-Datei enthalten ist.

Auch wenn der folgende Befehl nach gefühlt ca. 2 Stunden zum Ergebnis geführt hat:

.\vs_community.exe –layout E:\VS2017\ –add Microsoft.VisualStudio.Workload.ManagedDesktop

habe ich mich doch für Variante 1 entschieden.

Kundenfreundlichkeit heißt für mich, dass der Hersteller auf seine Kunden hört und bei echten Anforderungen eine Lösung anbietet. Wie groß das Interesse an einer ISO-Datei nach wie vor ist, macht die Diskussion im UserVoice-Forum eindrucksvoll deutlich:

https://visualstudio.uservoice.com/forums/121579-visual-studio-ide/suggestions/17541385-please-make-iso-files-for-visual-studio-2017

Wer der Meinung ist, dass es eine ISO-Datei geben sollte, sollte hier abstimmen. Da das „we are listening“ noch vom März 2017 stammt und in ca. 15 Monaten nichts passiert ist, glaube ich allerdings nicht, dass es eine Einsicht geben wird (die zumal mit erheblichem Aufwand verbunden sein dürfte – wie beschäftigt das Visual Studio-Team mit allen möglichen Erweiterungen ist, macht die offizielle Roadmap eindrucksvoll deutlich: https://docs.microsoft.com/en-us/visualstudio/productinfo/vs2018-roadmap).

Schade, dass die Entwicklung von SharpDevelop eingestellt wurde. Eine schlanke IDE mit integriertem Debugger wäre in einigen Fällen äußerst praktisch (wobei mir gerade einfällt, dass die letzte freigegebene Version 5.0 eventuell mein Problem lösen könnte;)

Dauert ewig, führt aber zum Erfolg – die Offline-Installation von Visual Studio 2017

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