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Visual Basic lebt und ist Teil von .NET Core 2.0

Visual Basic ist ein Phänomen als Programmiersprache. Oft geschmäht, oft tot gesagt, selten gelobt, ist sie immer seit nunmehr über 25 Jahren immer noch da und hat, wie könnte es auch anders sein, eine Zukunft.

Bei .NET Core 2.0, der Open Source-Version des .NET Frameworks (vereinfacht umschrieben), die vor kurzem fertig gestellt wurde, wird VB erstmals offiziell dabei sein. Für Visual Studio 2017 muss mindestens Update 3 vorhanden sein. Für Visual Studio 2015 gibt es wie es aussieht leider keine Vorlagen. Falls nach der Auswahl von „Visual Basic“ bei VS 2017 kein „.NET Core“ als Unterkategorie angeboten wird, musst die IDE zuerst aktualisiert werden.

Visual Studio 2017 bietet neuerdings Vorlagen für VB und .NET Core

Damit läuft Visual Basic 2017 ganz offiziell mit dem Segen von Microsoft auch unter Linux, Mac OS und wo immer sich .NET Core 2.0 installieren lässt. Das ist zwar grundsätzlich nichts Neues, da es bereits vor vielen Jahren einen VB-Compiler als Teil des Mono-Projekts gab, doch ist es für mich ein wichtiges Signal dafür, dass die .NET Core-Verantwortlichen VB nicht vergessen haben (bzw. Irgendjemand mit Einfluss Druck gemacht hat).

Ich war bekanntlich immer ein großer Fan von VB, auch wenn ich den letzten Jahren fast nur noch in C# programmiert habe. Von daher waren die paar Zeilen VB-Code, die ich am Wochenende mit .NET Core 2.0 ausprobiert habe, schon etwas ungewohnt (wie hieß noch einmal das Pendant zum using-Befehl und wird eine for-Schleife nicht mit Next beendet?).

In Visual Studio 2017 ist die Umsetzung einfach wie immer. IDE starten, Vorlage auswählen, Code eintippen und auf F5 drücken. Es gibt natürlich auch einen Debugger.

Wichtig: Aktuell (Stand August 2017) muss .NET Core 2.0 noch separat installiert werden. Nach Auskunft von Rich Lander, einem der Verantwortlichen bei Microsoft für .NET Core, soll es erst mit Update 4 oder 5 Teil des Setups von Visual Studio sein:

https://blogs.msdn.microsoft.com/dotnet/2017/08/14/announcing-net-core-2-0/

VB-Programme können unter .NET Core natürlich auch debuggt werden

Auch mit Visual Studio Code kommt man zum Ziel, wenngleich es keine so schönen Eingabehilfen und vor allem (noch?) keinen Debugger gibt (sollte es so bleiben, was ich nicht hoffe, wäre das natürlich ein absolutes K.O-Kriterium).

Die folgende Schrittfolge (die Installation des .NET Core 2.0 SDK vorausgesetzt) führen mit Visual Studio Code zu einem Erfolgserlebnis:

1) Anlegen eines leeren Verzeichnisses in der Eingabeaufforderung bzw. PowerShell, z.B. mit dem Namen „HalloVB“, und wechseln in das Verzeichznis (cd HalloVB“).

2) Eingabe von „dotnet new console -lang vb“. Dadurch werden eine Projektdatei („HalloVB.vbproj“) und eine Quellcodedatei („Program.vb“) angelegt.

3) Eingabe des Quelltextes:

Das kleine Beispiel ist eine etwas absurde Mischung aus „moderner Programmierung“ (es kommt ein Lambda vor) und jenem Spaghetticode, für den BASIC früher berühmt-berüchtigt war. Also, ernst gemeint ist das Beispiel nicht.

4) Kompilieren und ausführen über „dotnet run“.

Danach sollen ein paar Meldungen in der Konsole erscheinen. Erzeugt wird übrigens keine Exe-, sondern eine Dll-Datei.

Mit Visual Studio 2017 geht natürlich alles sehr viel komfortabler. Ein Punkt, der für Visual Studio Code spricht ist natürlich, dass es auch unter Linux & Co läuft, was bei Visual Studio nicht der Fall ist und auch nie der Fall sein wird.

Auf alle Fälle hat es Spaß gemacht nach so vielen Jahren der „Abstinenz“ wieder ein paar Zeilen VB-Code in einen Editor inzutippen, die sich theoretisch 1:1 auf alle möglichen Plattformen übertragen lassen.

Visual Basic ist natürlich nicht nur bei .NET Core 2.0 dabei, sondern unter dem aktuellen Namen Visual Basic 2017 auch beim großen .NET Framework. Die Sprache hat mit den letzten Versionen ein paar interessante Neuerungen erhalten. Ich erwähne nur Iteratoren, Tupel und, viele es werden es kaum glauben, Zeilenumbrüche innerhalb eines Befehls, ohne dass ein Zeilenumbruchzeichen eingegeben werden muss.

Wie es aussieht werde ich auf der kommenden Basta! in Mainz dabei sein, die vom 23.9 bis 28.9.2017 stattfinden wird, und das neue Visual Basic in einem Vortrag vorstellen. Weitere Infos gibt es wie immer unter http://www.basta.net.

Einen sehr guten Überblick über die Neuerungen von VB 2017 gibt ein Blog-Eintrag des Visual Basic-Teams bei Microsoft geschrieben von VB-Experte Klaus Löffelmann:

https://blogs.msdn.microsoft.com/vbteam/2017/03/30/whats-new-in-visual-basic-2017/

Pdf-Dateien in Bitmaps zerlegen mit freier Software

In diesem Beitrag geht es um eine grundsätzlich einfache Anforderung: Ein Pdf-Dokument soll als Teil einer WPF-Anwendung seitenweise als Bitmap-Datei gespeichert werden, so dass sich z.B. eine einfache Seitenvorschau umsetzen lässt.

Natürlich gibt es jede Menge kommerzieller Komponenten, die alle sehr gut sind (ich verwende für ein Projekt z.B. Apose.Pdf for .Net, die ich empfehlen kann, auch wenn sie nicht ganz preiswert ist), und mit deren Hilfe sich die Anforderung in ein paar Zeilen Code umsetzen ließe. Für einen MVVM-Lehrgang ging es mir darum, keine kommerzielle Komponente verwenden zu müssen. Die Suche erwies sich als schwieriger als gedacht, denn die Anzahl freier Pdf-Tools ist mehr als überschaubar. Geht es um das Erstellen von Pdf-Dokumenten sind PdfSharp bzw. Migradoc eine sehr gute Wahl, allerdings bieten sie keine Renedering-Funktionalität.

Die offenbar einzige (!) freie Software, die Pdf-Dateien darstellen kann, ist muPdf von den Ghostscript-Entwicklern Artifex (https://mupdf.com). Der Sourcecode liegt in C vor, die Make-Datei erzeugt offenbar eine Exe-Datei, so dass das Einbinden in eine .NET-Assembly und Aufrufe per p/Invoke keine Option sind.

Zum Glück gibt es immer fleißige Entwickler, die solche Herausforderungen annehmen und anderen das Ergebnis ihrer Arbeit zur Verfügung stellen. Auf Codeproject gibt es zwei Projekte, die eine gute Grundlage für eigene Projekte sind:

1) https://www.codeproject.com/articles/498317/rendering-pdf-documents-with-mupdf-and-p-invoke-in

2) https://www.codeproject.com/Articles/579878/MoonPdfPanel-A-WPF-based-PDF-Viewer-Control

Im ersten Artikel beschreibt der Autor ausführlich, wie er in die von den Entwicklern von SumatraPdf, einem kleinen und feinen Open Source-Pdf-Betrachter, zur Verfügung gestellte muPdf-Bibliothek per p/Invoke einbindet.

Der zweite Artikel verwendet ebenfalls muPdf und macht daraus gleich ein Wpf-Control, das die Seiten eines Pdf-Dokuments anzeigen kann. Einfacher geht es fast nicht mehr.

Ich habe für mein Projekt eine andere Alternative verwendet in Gestalt des enorm vielseitigen Tools ImageMagick (z.B. http://imagemagick.sourceforge.net/http/www/windows.html).

Dieses Tool basiert auf Ghostscript, das daher zuvor installiert werden muss, und liegt als Exe-Datei vor. Es wandelt die Seiten einer Pdf-Datei in Bitmaps in einem beliebigen Format um. Auch wenn es grundsätzlich kein Problem mehr, die Exe-Datei als externen Prozess zu starten, etwas eleganter geht es mit Hilfe von Magick.Net, eine Assembly, die ImageMagick kapselt: https://magick.codeplex.com. Die Assembly kann auch per NuGet hinzugefügt werden. Auch hier muss Ghostscript zuvor installiert werden.

Das Abspeichern der Seiten einer Pdf-Datei als Bitmaps wird damit sehr einfach:

Ob sich diese Lösung auch für „echte“ Projekte eignet, bei denen sehr große Pdf-Dokumente geladen werden sollen, kann ich aktuell nicht beurteilen. Auf der seinen Seite wirkte mein Beispielprogramm etwas langsam und brach einem Versuch eine Pdf-Datei mit 420 Seiten zu laden mit einer OutOfMemoryExcception ab (allerdings hatte ich den Dpi-Wert auch auf 300 eingestellt, so dass jede einzelne Bitmap über 1 MB groß war). Kleinere Dateien mit ca. 40 Seiten werden schnell geladen. Auf der anderen Seite dürften die Entwickler von SumatraPdf dafür sorgen, dass die muPdf-Bibliothek performant genug ist, um auch mit großen Pdf-Dateien klarzukommen (das Laden der 420-Seiten-Datei in Sumatra Pdf ist kein Problem, sie wird praktisch verzögerungsfrei geladen).

Das Hauptausschlußkriterium für die Verwendung von muPdf und Ghostscript in einem Kundenprojekt dürfte das Lizenzmodell sein. Artifex beschreibt es ausführlich unter der folgenden Adresse: http://artifex.com/licensing/. Da es auf AGPL basiert (GNU Affero General Public License), müssste der Sourcecode der eigenen Anwendung veröffentlicht werden, was in der Regel nicht in Frage kommt. In den Lizenzbedingungen wird aber auch darauf hingewiesen, dass unter bestimmten Bedingungen auch eine Exe-Datei ausgeliefert werden darf. Wichtig ist, dass der Anwender erkennt, dass er oder sie muPdf und Ghostscript separat installieren.

Da ich alles andere als ein Experte für Lizenzierungsdetails bin und bei meinem Beispielen ohnehin immer der Quellcode dabei ist, ist dieser Aspekt für mich kein Thema. Für die meisten Entwickler dürfte das Lizenzmodell aber zu restriktiv bzw. „undurchsichtig“ sein (man kann natürlich bei Artifex nachfragen), so dass es am Ende wieder auf eine kommerzielle Komponente hinausläuft. Schade, dass Microsoft dieses Thema komplett ignoriert hat. Ein Pdf-Viewer als Teil des .NET Framework wäre eine natürlich sehr praktisch. Doch aller Voraussicht nach wird es dazu nie kommen.

Meine ersten Gehversuche mit AutoFac – Teil 1

In diesem Beitrag beschreibe ich meine ersten Gehversuche mit AutoFac, einem vielversprechenden DI-Container (DI = Dependency Injection).

Ich hatte in den vergangangen Jahren den sehr einfachen SimpleIOC-Contailer von Laurent Bugnion verwendet, der Teil von MVVM Light ist. Doch da ich MVVM Light seit einigen Jahren nicht mehr verwende und stattdessen die aus meiner Erfahrung sehr gute MVVM-Assembly von DevExpress (deren Kern nicht nur kostenlos, sondern auch quelloffen ist), habe ich auch SimpleIOC aus den Augen verloren.

Die wichtigste Frage natürlich vorweg: Wozu braucht man einen DI-Container?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten und sie ähnhelt der Frage, die Anfang der 90er Jahre of gestellt wurde. Wozu brauche ich diese Vererbung?

Schon damals hatte ich keine guten Antworten parat, außer dem üblichen „Sie führt einfach zu besser strukturiertem Code“. Aha. Bei DI ist es ähnlich. Wer DI konsequent einsetzt, kommt tatsächlich zu deutlich besser strukturiertem Quellcode. Der Weg dahin ist allerdings lang und beschwerlich. Und das nicht, weil DI eine komplizierte Technik ist. Das ist nicht der Fall. Der Grund ist, dass man ein Prinzip verstanden haben, muss, dass sich grundlegend auf den Programmaufbau auswirken kann (aber nicht unbedigt muss). Man muss ein wenig daran glauben.

Zum Glück gibt es auch ein wenig DI, genauso wie es auch ein wenig OOP damals gab. Auch wenn viele Puristen davon nicht viel halten, ich kann diesen Ansatz vertreten,dd aman damit in das Thema hineinwachsen kann.

Warum AutoFac? Gegenfrage: Warum nicht? Es gibt über ein Dutzend DI-Container, AutoFac ist einer der Namen, die immer wieder genannt werden. Die Webseite macht einen guten Eindruck, das Projekt wird laufend weiterentwickelt was sehr wichtig ist, es gibt viele Beispiele (u.a. im Rahmen von WCF), viele Fragen mit Antworten auf StackOverflow usw. für einen DI-Container muss man sich entscheiden (mir sagt Unity vom Pattern&Practices Team bei Microsoft nicht ganz so zu, was aber eher eine Frage der persönlichen Präferenzen ist und die sind bekanntlich breit gestreut). Und da in einem Projekt, mit dem ich beruflich zu tun hatte, AutoFac verwendet wurde, war dies der Anlass mich selber etwas mit AutoFac zu beschäftigen.

Die sehr gut gemachte Projektwebseite ist http://autofac.readthedocs.io/en/latest/index.html

Schritt 1: AutoFac hinzufügen

Das geht dank Package Manager-Konsole sehr einfach:

Install-Package AutoFac

Schritt 2: Typen registrieren

Ausgangspunkt ist ein sehr kleines Konsolenprogramm, das ein Interface und ein paar Klassen verwendet:

>IDocumentService.cs
>DocumentFileService.cs
>DocumentViewModel.cs
>MainViewModel.cs

Das Ziel soll es sein, eine Instanz der MainViewModel-Klasse zu erhalten, deren Documents-Eigenschaft eine Reihe von DocumentViewModel-Instanzen liefert, die zuvor per DocumentFileService, die IDocumentService mit ihrer GetDocuments-Methode implementiert, aus einer Xml-Datei eingelesen wurden.

Der Beitrag ist aktuell nur provisorisch, ich werde ihn in den nächsten Tagen noch einmal überarbeiten. Grundsätzlich hat es aber funktioniert:)

Wissen ohne Ende – ein Angebot, dass ich nicht ablehnen konnte

Fortbildung steht hoch im Kurs, das weiß ich sowohl als Trainer für .NET und PowerShell, aber auch als jemand, der selber permanent Wissen aufnimmt und versucht sich neue Techniken beizubringen (aktuell z.B. Authentifizierung von Web-Anwendungen im Zusammenhang mit Azure AD). Natürlich findet man sehr viel Know-how im Web, vor allem als Videos, ber ob man sich stundenlang durch Blog-Einträge, Tutorials, die oft nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind, und mehr oder weniger gut gemacht und verständliche Videos zu klicken, oder man einem jemand ein Themengebiet systematisch erklärt, ist ein großer Unterschied.

Es gibt schon seit Jahren teilweise kostenlose, teilweise kostenpflichtige Weiterbildungsportale. Eines davon ist die Microsoft Virtual Academy, ein anderes die Plattform Udemy (https://www.udemy.com/), ein Drittes das im deutschprachigen Raum beliebte Video2Brain, das, über mehrere Stationen, inzwischen an Microsoft angedockt wurde.

Und da gibt es noch den großen Know-how-Verlag O’Reilly, der schon seit vielen, vielen Jahren für Bücher und Videos mit einem hohen Qualitätsanspruch steht, der so gut wie immer auch eingehalten wird. Vorbildlich.

Von O’Reilly, jetzt komme ich zum Thema dieses Blog-Eintrags, erhielt ich vor kurzem ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte – für 199 US$ (172€) pro Jahr erhält man einen unbegrenzten Zugang zum Safari-Portal, auf dem laut Verlag über 40.000 Bücher und Videos zu allen denkbaren IT-Themen zur Auswahl stehen. Regulär kostet das Abo 399 U$S pro Jahr. Das Abo ist jederzeit kündbar, der Preis, so verspricht es der Verlag, bleibt für immer konstant. Normalerweise bin ich bei solchen Angeboten skeptisch, da ich erfahrungsgemäß aus den unterschiedlichen Gründen nur einen Bruchteil des Angebots nutze, so dass der Erwerb der einzelnen Bücher in jedem Fall um einiges günstiger wäre (der Klassiker sind die Visitenkarten, die einem mit dem Argument verkauft werden, dass 300 Stück statt 50 Stück doch deutlich günstiger sind – bezogen auf den Stückpreis – das Ergebnis ist, das noch ca. 280 Stück in dem kleinen Pappkarton liegen, in dem sie geliefert wurden). Bei dem Angebot habe ich das Gefühl, dass es sich lohnen – alleine die freie Auswahl bei den Trainingsvideos zu haben ist für jemanden, der selber Schulungen durchgeführt, das Geld wert.

PS: Das Angebot gilt noch bis zum 4. August 2016 – wer diesen Blogpost zufällig heute (4.8) lesen sollte, kann sich das Angebot noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Weitere Infos gibt es unter https://www.safaribooksonline.com

Was verdienen Entwickler?

Als freiberuflicher Entwickler denkt man beim Thema Bezahlung in der Regel in Tages- oder Stundensätzen, die meisten Entwickler, vor allem in DACH (Deutschland/Österreich und Schweiz) sind festangestellt. Vor kurzenm veröffentlichte die Bundesanstalt für Arbeit einen umfangreichen „Entgeltatlas“ für alle Berufsgruppen, die von der Anstalt betreut werden:

https://entgeltatlas.arbeitsagentur.de/entgeltatlas

Auch wenn die Zahlen aus dem Jahr 2014 stammen und nicht für jedes Bundesland ausreichende Daten vorliegen ist es doch interessant, einen Überblick über den durchschnittlichen Bruttolohn für Entwickler zu erhalten. Nicht überraschend ist das klare Ost-Süd-Gefälle.

Es gibt sie doch noch – die „Language wars“

Von wegen vor .NET sind alle Programmierer und deren Sprachen gleich. Dass sich Visual Basic-Entwickler (aus meiner Sicht zurecht) oft ein wenig als Entwickler zweiter Klasse fühlen, machen die Kommentare auf einen eigentlich vollkommen harmlosen Blog-Post eines Mitglied des Visual Studio-Teams deutlich, in dem es um die geplanten „Sprachneuerungen“ (tatsächlich geht es fast nur um die Verbesserungen an der IDE) bei VS 2015 geht:

https://blogs.msdn.microsoft.com/dotnet/2016/04/02/whats-new-for-c-and-vb-in-visual-studio/

Der Stein des Anstoßes war, dass bis auf in der Überschrift VB mit keinem Nebensatz erwähnt wurde und der Autor es zudem nicht für notwendig hielt dies nachträglich zu korrigieren. Ein paar empörte Kommentare weiter klärt ein VB-Entwickler dann seinen C#-Kollegen auf, der mit dem etwas abgedroschenen Argument kommt, dass wenn man schon beim Umstieg von VB 6 mit VB.NET eine neue Programmiersprache lernen muss, dass man dann doch gleich C# lernen könnte: Jedes „Gehirn“ tickt ein wenig anders. Es gibt ganz einfach viele Entwickler, denen die etwas sprechendere Syntax von Visual Basic einfach besser liegt. Nicht umsonst, war BASIC als Programmiersprache von Anfang an ein Erfolg und nicht umsonst, hat Bill Gates sein Milliardenimperium mit BASIC und nicht mit C aufgebaut.

Mich nervt es nach wie vor ein wenig, wenn Entwickler Visual Basic-Programmierer ein wenig von oben herab behandeln, wenngleich ich auch feststelle, dass viele VB-Programmierer nicht gerade mit den allerneuesten Programmiertechniken und API vertraut sind (um es einmal neutral zu formulieren) und mit dem Stand der 90er Jahre eigentlich recht zufrieden sind. Aber: Es kommt nicht so sehr auf die Syntax an, sondern was man daraus macht.

Ich bin gespannt, ob der obige Blog-Post noch einmal überarbeitet werden wird.

Die Build 2016 wirft ihre Schatten voraus

29/03/2016 – Morgen startet im schönen San Francisco wieder einmal die große Entwicklerkonferenz von Microsoft, die Build. Ich war mir lange Zeit nicht sicher, was ich von der Veranstaltung halten soll, zumal bereits im Vorfeld angedeutet wurde, dass es dieses Mal keine „großen Ankündigungen“ geben wird (nicht, dass es diese in den letzten Jahren gegeben hätte) und der Schwerpunkt auf Holelens (das Thema ist alleine spektakulär genug, um eine Konferenz zu füllen) und natürlich Azuure geben wird.

Als ich mir heute den Twitter-Feed zur Build (#Build2016) durchlas wurde mir klar, dass es wider Erwarten doch sehr interessant werden könnte. Ein Microsoft-Mitarbeiter wurde in einem Twitter-Beitrag mit den Worten zitiert, dass die Leute „ausflippen“ werden (engl. „to freak out“), wenn sie sehen werden was mit Windows 10 alles möglich ist.

Ein Windows, das nicht mehr abstürzt (ok, kommt selten vor und meistens sind die Nvidia-Treiber schuld) oder eines bei dem die Anwender zu 100% die Einstellungen zum Thema Privatsphäre schützen einstellen können, wird er sicher nicht gemeint haben.

Die Gerüchte bezogen sich vermutlich eher auf ein Linux-Subsystem (bei einem Vortrag auf der Build 2016 wird es darum gehen, wie sich die bekannte Unix-Shell Bash unter Ubuntu unter Windows 10 ausführen lassen wird).

Und da Microsoft (endlich) Xamarin gekauft hat, wird auch das Thema Apps für Android im Mittelpunkt stehen. Es ist schon kurios, dass Miguel de Icaza, einer der beiden Gründe von Xamarin, vor ein paar Jahren auf der PDC noch „Hausverbot“ hatte. So ändern sich die Zeiten. Ich bin jetzt doch sehr gespannt darauf, was morgen in der Keynote angekündigt wird.

Den Livestream gibt es wieder immer unter https://build.microsoft.com/

Mein Besuch auf der Cebit 2016

17/03/2016 – Die Cebit. Während die meisten Menschen, die ich kenne froh sind (und das bereits seit Jahren), dass das Kapitel Cebit für sie abgeschlossen ist und der Meinung sind, dass es eigentlich wenig bis keine Gründe gibt sich das noch einmal anzutun, fahre ich immer noch ganz gerne nach Hannover, auch wenn es von Esslingen aus schon etwas Überwindung kostet. Zum einen bin ich ein „Gewohnheitstier“, zum anderen verbinde ich mit der Cebit auch angenehme Erinnerungen. Für mich ist außerdem immer noch ein Gradmesser für die Innovationskraft und vor allem auch für die „Stimmung“ in der IT-Branche, auch wenn Slogans wie „Entdecken Sie die Technik-Trends von morgen“ etwas altmodisch klingen und daher auch anders als in den 90er Jahren als die Zukunft förmlich greifbar war nicht mehr ziehen.

Vom 14. bis 18. März war es wieder einmal so weit. Wenn im März auf den Zwischenbahnhöfen bei den Zügen in Richtung Hannover in den Fahrplananzeigen ein „Hält ausnahmsweise in Hannover Laatzen“ als Laufschrift durchläuft (eine andere Form der Hervorhebung scheint es nicht zu geben) weiß man, es ist wieder Cebit-Zeit.

Auch wenn viele der großen Namen der Branche seit vielen Jahren nicht mehr vertreten sind, wie Apple, Dell, Samsung, Adobe (lediglich als Partner in der Salesforce-Hallo), ist die Cebit immer noch ein Gradmesser für die Innovationskraft der Branche. Und auch wenn die Besucherzahlen über die Jahre stetig gesunken bzw. stagniert sind (in diesem Jahr waren es knapp 200.000 Besucher), an einem Mittwochnachmittag wird es in den Haupthallen 4 und 6 immer noch richtig voll. Der stets in tiefes Rosa gehüllte Telekom-Stand ist nach wie vor ein Besuchermagnet, auch wenn die Frage „Wann kann ich endlich DSL bekommen?“ nicht mehr so häufig gestellt werden dürfte, da es eher um die Frage geht, wann ich endlich wie alle anderen 50 Mbit/s und mehr möglich ist.

Die Cebit ist heutzutage in erster Linie eine Fachbesucher- und Job-Messe. Ein sehr großer Teil der Aussteller kommt inzwischen auch Fernost. Die Hallen 15 und 16 waren komplett mit Produkten „Made in China“ gefüllt.

Natürlich musste der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, auf den Wandel der Branche und vor allem das veränderte Besucherinteresse reagieren. Das Konferenzprogramm wurde schon vor Jahren komplett überarbeitet. Seitdem gibt es im Rahmen der Global Conference in Halle 8 teilweise sehr gute Vorträge, die von bekannten Personen der Branche gehalten werden (dieses Mal war unter anderem der PGP-Erfinder Phil Zimmermann zu Gast). Vor zwei Jahren kam mit der durch den Heise Verlag veranstalteten Developer Word ein weiterer Themenschwerpunkt hinzu. Open Source-Projekte und Firmen sind schon seit Jahren auf der Cebit präsent und auch das Thema Startups wird schon länger nicht mehr ignoriert, da es Besucher in den Altersgruppen 20 bis 30 auf die Messe bringt. Den von GFT die letzten Jahre veranstalten Gründerwettbewerb Code n gibt es leider nicht mehr. Dafür wurde die Halle 11 erneut dem Thema Startups gewidmet. Auf einer kleinen Bühne stellten sich die vertretenen Firmen in kurzen Vorträgen, den Pitches, vor.

Halle 23 war komplett von Salesforce belegt, in einer anderen Halle gab es nur Drohnen zu sehen. An einem Stand konnte man sich einen kleinen NFC-Chip unter die Haut transplantieren lassen. Ob das Thema „Bio-Hacking“ ein echter Trend wird bezweifle ich allerdings.

Die Themenvielfalt war auf alle Fälle vorhanden, mehr kann sich die Messeleitung eigentlich nicht einfallen lassen. Eine Kleinigkeit gäbe es natürlich: Der Umstand, dass das WLAN auf der Messe, außer im Pressezentrum, nicht nur nicht kostenlos, sondern mit 5€ pro Stunde sogar regelrecht überteuert angeboten wurde, stieß einigen Besuchern etwas sauer auf. Auch wenn jeder über sein Smartphone ins Internet gehen kann, passt diese Haltung nicht zur propagierten digitalen Wirtschaft und verträgt sich nicht mit dem Slogan der Digitalisierung, der dieses Jahr ganz groß geschrieben wurde.

Stichwort Digitalisierung. Irgendwie hatte ich das Gefühl mich in einer Zeitschleife zu befinden. War die Digitalisierung nicht bereits in den 90er Jahren, also vor 20 Jahren, das große Thema? Stichwort: Papierloses Büro usw. Im Unterschied zu damals steht heute eine ganz andere und um Größenordnungen leistungsfähigere Infrastruktur zur Verfügung. Das was damals visionär klang (etwa „Information at your fingertips“) ist heute dank Cloud, Big Data, künstlicher Intelligenz und einer um Größenordnungen leistungsfähigen und gleichzeitig preiswerteren Hardware umsetzbar geworden.

Roboter sind auf der Cebit nichts Neues. Jenes Exemplar, das bei IBM in Halle 2 zu sehen war soll angeblich bereits in japanischen Hotels im Einsatz sein. Der kleine Kerl gab sich zwar redlich Mühe sich sein Maschinenwesen nicht anmerken zu lassen, wirkte dann aber doch in einigen Situationen etwas überfordert. Ein mehrfaches Nachfragen nach seinem Zustand („How are you?“), quittierte er mit einem netten Blinken seiner Augen und flüchte sich dann in die üblichen Höflichkeitsfloskeln („It was nice chatting with you“ auch wenn sein menschlicher Gesprächspartner keine Anstalten machte die Konversation zu beenden oder die Szene zu verlassen). Es waren wahrscheinlich die vielen Menschen am überdimensionierten Stand, vor allem aber der stetig sehr hohe Geräuschpegel, die den kleinen Kerl etwas aus dem Konzept brachten. Wie perfekt Computersprache heute sein kann zeigte Microsoft in einer Vorführung, bei der am Ende Cortana befragt wurde. Bei Microsoft war ansonsten nur auffällig wie gut versteckt Windows 10 wurde. Es stand nirgendwo im Mittelpunkt und trat lediglich indirekt im Zusammenhang mit den neuen Surface Geräten und den dafür angebotenen Windows 10 Mobile in Erscheinung. Für Entwickler gab es natürlich nichts zu sehen, aber immerhin war der MSDN-Stand vertreten. Wer mit einer technischen Frage auf die Messe gekommen wäre, hätte zu mindestens dort die Gelegenheit gehabt sie zu stellen.

Mein Fazit über meinen Besuchstag war durchweg positiv. Auch wenn es für viele IT-Profis wie eine abgedroschene Phrase erscheinen mag, die Digitalisierung der Gesellschaft dürfte in den kommenden Jahren so richtig an Fahrt aufnehmen. Ein Tag genügt, um sich alles anzuschauen, wenngleich es an jedem der fünf Messetage interessante Vorträge gab.

Ein paar eher zusammenhangslose Details zum Schluss:

>Wie im letzten Jahr war das Motto der Cebit d!conomy, ein Kunstwort, das die Digitalisierung der Wirtschaft auf den Punkt bringen soll.
>Das Wetter am Mittwoch war klasse. Ein weitestgehend blauer Himmel bei klarer Luft, wenngleich es noch ein paar Grad zu kühl war, um Frühlingsgefühle aufkommen zu lassen.
>Im Pressezentrum war es noch etwas leerer als im letzten Jahr (sogar Detlef Borchers war offenbar nicht da)
>Der Leierkastenmann am Ende des Messerollwegs war auch in diesem Jahr anwesend.
>Auch während der Cebit gibt es in den Straßenbahnen Fahrtkartenkontrollen
>Es gab wieder eine richtige „Kick off“-Party am Sonntagabend (sicher kein Vergleich zu den Symantec-Parties von früher, aber besser als Nichts)
>Am Business Run habe ich leider auch dieses Jahr nicht teilnehmen können – nächstes Jahr gibt es keine Ausreden mehr. 2017 beginnt die Cebit erst am 20. März.

Die Bilder der Foto-Gallerie sollen ein paar meiner Eindrücke vermitteln – die Bitmaps sind teilweise etwas groß (wenngleich ich sie schon stark verkleinert habe).